Fünf Street Artists „versprühen“ #moreromance in Berlin

Published September 20, 2017 by mint&berry

In den letzten Tagen haben wir in geheimer Mission das Berliner Stadtbild romantisiert. Fünf talentierte Street Art Künstler, fünf Kunstwerke und fünf Locations – jede mit ganz unterschiedlichen Ansätzen zum Thema #moreromance. Und so besonders und einzigartig wie die Stadt Berlin selbst. Unsere Redakteurin berichtet.

Es ist ein klarer Herbstmorgen. Der letzte Tag des Spätsommers ist gefühlt nur knapp eine Woche her. Das besondere Licht dieser Jahreszeit erfüllt den frühen Morgenhimmel als ich aus der U-Bahn steige. Ich nehme einen tiefen Atemzug, genieße die frische Luft. Dann drehe ich mich einige Male im Kreis, die Augen auf den blauen Positionspunkt auf Google Maps gerichtet und versuche mich zu orientieren. Ich finde meinen Weg zum ersten Treffpunkt heute und bin sogar zu früh. Street Artist @eulenheulen aus der Schweiz ist mir trotzdem zuvorgekommen und sitzt schon in der Sonne an der Brücke; die Strahlen spiegeln sich im Wasser der Spree unter uns. Dies ist die zweite Location unserer Aktion von insgesamt fünf – zwei Tage zuvor fing die Aktion in einem Berliner Park mit Street Artist @lieb.sein an. Während wir auf die restliche Truppe warten, habe ich Zeit, @eulenheulen einige Fragen zu stellen.

2. @eulenheulen

mint&berry: „Was bedeutet dir deine Kunst? Warum hast du die Straßen als Leinwand ausgewählt?

@eulenheulen: Also für meine Kunst, in Anführungsstrichen, benutze ich nur die Straße, weil es mir wirklich nur um Stadtverschönerung geht. Mein Ziel ist es, in trüben und dreckigen Ecken etwas Schönes reinzubringen, etwas was Freude macht und vielleicht auch ein Lächeln entlockt oder zum Nachdenken anregt. Es geht darum, etwas sichtbar zu machen und dieses Grau zu durchbrechen.

mint&berry: „Was bedeutet #moreromance für dich ganz persönlich?

@eulenheulen: „#moreromance ist genau das, was ich auch will. #moreromance ist genau das, was die Welt braucht. Mehr Liebe, mehr Einhörner, mehr Regenbögen … in der Schweiz sagen wir dazu “Regenbögli”.

mint&berry: „Was für Themen behandelst du grundsätzlich in deinen Kunstwerken, welche treiben dich an deine Kunst zu formulieren? Hast du bestimmte Inspirationsquellen?“

@eulenheulen: Für mich sind das Veganismus, Frauenthemen und Regenbogenthemen (also Themen bei denen es um Homosexualität geht). Das sind die Dinge die mich dazu antreiben, Statements im öffentlichen Raum zu setzen. Auch weil sie für mich persönlich etwas bedeuten.

mint&berry: „Wenn du einen beliebigen Ort auf der Welt  mit deiner Kunst verschönern könntest, welcher wäre das?

@eulenheulen: Es gibt so viele Orte und dunkle Stellen, die traurig aussehen, bei denen ich mir denke “die brauchen jetzt ein bisschen Liebe”. Die muss man gar nicht benennen.

mint&berry: „Was würdest du der Welt in Sachen #moreromance wünschen?“

@eulenheulen: More Romance! (Lacht). Es braucht mehr Liebe auf der Welt – mehr Respekt und Toleranz.

Mittlerweile sind wir komplett. Dann geht auf einmal alles ganz schnell. @eulenheulen plakatiert das mitgebrachte Cut-Out an eine Wand der nahegelegenen S-Bahn-Brücke mit frisch gemischtem Kleister. Der musste noch schnell gekauft werden, da der eigene vom Zoll, aufgrund von Mengeneinschränkungen, konfisziert wurde. Denn @eulenheulen ist extra für uns aus der Schweiz angereist.Wir erlauben uns ein bisschen Zeit, das Kunstwerk zu begutachten. Die leuchtenden Farben des Regenbogens strahlen uns entgegen.

3. @caz.l

Dann geht es auf zur nächsten Location, wo wir Street Artist Ann treffen. Unter dem Tag @caz.l bekannt, verschönert sie mit ihrer filigranen Stencil-Kunst nicht nur den urbanen Raum Berlins, wie alle unserer Künstler, ist auch sie in der ganzen Welt unterwegs. Heute hilft sie uns dabei, an einer Wand in einer von Berlins zentralen Stadtteilen #moreromance zu ‚versprühen‘. Und das im wahrsten Sinne des Wortes. Bereits in der Nacht hat @caz.l in Rot, Pink und Orange ihr Stencil von einem Vogel über das Ende einer Wasserrinne gesprüht. Der letzte Schliff fehlt aber noch. Mit Kreidespray wird nun das Kampagnen-Hashtag #moreromance, zusammen mit zwei Herzchen, hinzugefügt.

4. @seufz234

Zwei Locations bleiben uns noch. Zur nächsten müssen wir nur fünfzehn Minuten laufen und dort angekommen, gönnen wir uns einen kleinen Kaffee in der Mittagssonne. Dort treffen wir niemand Geringeren als den deutschen Pop-Art-Künstler und Vertreter der Art Modeste Jim Avignon (@seufz234). Avignon ist unter anderem für sein unter Denkmalschutz stehendes Mauerbild von 1991 an der East Side Gallery. Welches er übrigens im Oktober 2013 in einer Protestaktion übermalte.

Avignons Bilder beziehen sich oft kritisch auf Gegenwartsprobleme, wie zum Beispiel auf den Mangel an zwischenmenschliche Kommunikation fernab sozialer Netzwerke und wir freuen uns, dass Avignon seine persönliche Interpretation von #moreromance mit einem Kunstwerk im Handumdrehen an eine Ecke kleistert. Avignons Cut-Out zeigt zwei zärtlich, in sich verschlungene Menschen. Dabei tritt einer dem Anderen aus dem Bildschirm eines Computers entgegen.

5. @rabea_senftenberg

Unterdessen senkt sich die Sonne langsam hinter den Dächern der Stadt. Wir kommen zu unserem letzten Stunt des Tages. Vor einem Burger Joint kleistert @rabea_senftenberg vor unseren gebannten Augen ihr Cut-Out an die untere Seite der Wand, so dass es fast so aussieht, als stehen ihre unverkennbaren Katzenfiguren auf dem Gehweg. Sie ist erst gestern aus Afrika zurückgekehrt und ich bin von ihrer positiven Art, die sie trotz Schlafmangel an den Tag legt, sehr beeindruckt. Noch mehr bin ich natürlich von ihrem illustratorischen Können begeistert. Ich frage @rabea_senftenberg, was sie mit ihrer Street Art am meisten zu bewirken hofft. „Leuten eine Freude zu machen – wenn jemand mal einen schlechten Tag hat, hoffe ich, dass meine Kunst ihnen eine kleine Freude bereiten kann. Deshalb teile ich sie auch draußen in den Straßen.“

English version below:

5 talented street artists spread #moreromance in the streets of Berlin

For three days we brought a little extra romance to Berlin’s streets. Five talented street artists, five works of art and five different locations – each with their own interpretation of #moreromance. Our editor recounts:

It’s a clear autumn morning. The last day of late summer is barely a week ago. The fresh light of the new season is spread across the early sky as I step out of the underground. I take a deep breath, relishing the crispness in the air. I then proceed to turn around in circles a few times, my eyes fixed on the blue dot on google maps, as I try to orientate myself. Eventually, I find my way and arrive at our meeting place early, but Swiss street artist @eulenheulen has beat me to it. We sit by a bridge, the sunlight reflecting off the river Spree beneath us. This is mint&berry’s second of five street art stunts – we completed the first one with street artist @lieb.sein in one of Berlin’s many parks two days ago – all in the name of spreading #moreromance across the city. I get to ask @eulenheulen a few questions as we wait for the rest of the group to arrive.

mint&berry: “What does your art mean to you and why have you chosen the street as your canvas?”

@eulenheulen: “For my art, in inverted commas, I use only the street because to me it’s about making cities more beautiful. My aim is to add something nice to dreary and dirty corners. Something, that can bring joy to a passerby, maybe even elicit a smile or prompt a conversation. It’s about making something visible and breaking through all the grey.”

mint&berry: “What does #moreromance signify to you personally?”

@eulenheulen: “#moreromance is exactly what I want to achieve with my work. #moreromance is exactly what the world needs. More love, more rainbows… in Switzerland we call them “Regenbögli”, more unicorns.

mint&berry: “What kind of topics do you address in your works, what are the topics and things that motivate and inspire you?”

@eulenheulen: “Veganism, topics concerning women, and “Rainbowtopics” concerning homosexuality. These are the things that really drive me to do what I do, to fill public spaces with statements. Especially, because these things mean something to me on a very personal level.”

mint&berry: “If you could “beautify” any place on earth, which would it be?”

@eulenheulen: “There are so many places and dark spots that look sad and that make me think “they need a little bit of love”.

mint&berry: “What do you wish for the world in terms of #moreromance?”

@eulenheulen: “More romance!” (Laughs). “The world needs more love, respect, and tolerance.”

Meanwhile, our group is now complete. Then everything goes every fast. @eulenheulen placards the cut-out to the close-by S-Bahn bridge with fresh paste. @eulenheulen had to quickly buy some here, as customs confiscated @eulenheulen’s own paste powder at the border, due to volume limitations. We allow us a few moments, to take in the work of art. The colours of the rainbow radiate towards us.

Then we set off to our next location, where we meet street artist Ann. Known under the tag Caz.L, she embellishes urban spaces with sophisticated stencil art of animals and high divers. Like all of our street artists, @caz.l is constantly travelling the world with her art, yet today she helps us spray #moreromance to a wall in one of Berlin’s central districts. Because of the daily bustle of this location, @caz.l sprayed her bird made of red, pink and orange onto the wall last night. But the finishing touches are still missing. With chalk-spray she adds our campaign hashtag #moreromance, and two little hearts.

We have two locations left. It only takes us fifteen minutes walk to the next one – here we treat ourselves to a coffee outside in the afternoon sun. Then no other than contemporary German pop artist and representative of the art modeste, Jim Avignon (@seufz234), arrives. Known, amongst other works, for his listed work of art on the East Side Gallery from 1991, which he painted over in protest in 2013.

Avignon’s work often depicts current issues critically. One topic being, fittingly in terms of our campaign, the lack of interpersonal communication outside of the digital world. We’re more than delighted to see Avignon share his personal interpretation of #moreromance on a corner of Berlin for us. (Avignon's Cut-Out shoes two people embracing each other gently, as one of the figures emerges from a computer screen.)

By now the sun is slowly sinking behind the rooftops of the city. We arrive at our last destination of the day. In front of a burger joint, and our mesmerized eyes, @rabea_senftenberg pastes her cut-out to the bottom of a wall. Just so, that her signature cat figures almost look like as if they are standing on the pavement with us. @rabea_senftenberg only just got back from Africa yesterday, and I am impressed by her positive manner, despite considerable sleep deprivation. I am also enthralled by her talent as an illustrator. I ask her, what she hopes to achieve the most with her work. “To bring joy to people! If someone is having a bad day, I hope that my art can bring some small amount of joy to that person. That’s why I share it outside in the streets.”

Two typhoons and a cuppa

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