Sie sind im Krieg geblieben

Das rot-gold der Abenddämmerung
Gleitet sachte über die samtgrünen Wiesen
Schon längst ist Gras über die Narben gewachsen
Die Gefechte in der verkohlten Erde hinterließen
In Teilen blüht friedlich der rote Mohn
Seit fast hundert Jahren ein Zeichen des Friedens
Schmückt nun den Anblick einer vergangenen Front
Statt damals Krater, Splitter und Mienen
Bedeckt sanft all jene, die für immer dort ruh’n
Die zerfetzt unter der Erde liegen
Zu jung waren sie fürs Töten und Sterben
Nun sind sie im Krieg geblieben

‚Ruhet sanft’ hat man den toten Soldaten gewünscht
Nachdem diese an ihre Gedärme krallten
Und viele vor Schmerzen schrie’n
Weitere verbrannt, erfroren, vergast, erschossen
Ertrunken in der Stille der Meerestiefen
Zu früh wurden sie, viele kaum zu Männern herangewachsen
Aus dem Leben gerissen
Trauer und Schmerz blieben übrig für die Hinterbliebenen
Und Wut – vor allem löst sich Wut aus auch bei mir
Wie üblich bei stürmischen Gemütern die geneigt sind zum rebellieren
Wut über die Dummheit die es Vermag
Unschuld zu zwingen sich zu bekriegen
Ewigen Frieden wünscht man den Gefallenen
Und wie die Zeit vermag bei manchen der Schmerz dadurch zu verfliegen
Aber Frieden war ihnen doch gar nicht gegönnt
Denn sie sind im Krieg geblieben

Ein trauriges jedoch friedvolles Gedicht gedachte ich zu schreiben
Als ich alte Bilder von denen betrachtete, die in den beiden Weltkriegen ihr Leben ließen
Aber was nützt das Tragen von rotem Mohn
Und das viele Händeschütteln
Wenn an reichlich’ Orten der Krieg noch herrscht
Und nicht wenige diese unterstützen
Vom Heldentod kann doch gar nicht die Rede sein
Abgeschlachtet wird man im Krieg – ohne Nutzen
Mut und Ehre ganzer Generationen verschwendet
Zu viele Männer und Frauen und Kinder sind
In der Hölle die wir schaffen verendet
Das Glück und das Leben, welches ihnen frühzeitig geraubt
Das kann ihnen keiner zurückgeben – es bleibt für immer verpfändet
Der Gier der Menschheit haben sie es zu verdanken dass
Sie nun sind für immer im Krieg geblieben

Nie wieder haben sie, ihre große Liebe in die Arme genommen
Erloschene Augen die nie erblickten, das eigene Kind in der Wiege
Anderen genommen die Chance das größte zu tun wofür der Mensch geschaffen
Hatten noch gar nicht die Chance gehabt sich zu verlieben
Erfinder, Abenteurer, Dichter, Denker und Bauern
Schuster, Fischer, Lehrer und Abiturienten
Was stand ihnen noch alles bevor! Anstatt dem Krieg als Kanonenfutter zu dienen
Ach die Dinge die sie hätten erbauen sollen!
Bezwingen, erforschen, entdecken, schmieden
Das Leben als wunderbares Abenteuer lag ihnen zu Füßen
Bevor sie gezwungen über ihn hinweg in den Krieg zu galoppieren
Mancher mit Begeisterung und Übermut dabei
Manch einem wurde das Gewehr mit Gewalt in die Hand getrieben
Doch ob dafür oder dagegen – eine Wahl blieb ihnen kaum
Denn vom Krieg wo keiner hingeht steht noch nichts geschrieben
Und so häufen sich die Namen und Seiten in einem Buch
Dessen Titel lautet ‚Sie sind im Krieg geblieben’

Wie kann man gerecht all den Männern, Frauen und Kindern gedenken
Zunächst wohl in dem man sich besinnt:
Es braucht keinen Krieg für’s Siegen
Der Sieg, das ist das Leben selbst
Dem entsagt all jene, die in einen unnatürlichen Tod getrieben
Erschwert den Anderen vom Kriegselend getroffen:
Verkrüppelt, verwitwet, verwaist, vergewaltigt, vertrieben
Drum lasst uns das Leben und die Liebe ehren
Lasst nie wieder jemanden fort in den Krieg ziehen
Nur so gibt man den erloschenen Leben der Gefallenen einen Sinn
Lasst sie dafür sein im Krieg geblieben

Liebesbrief

Des August’s Kuss